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Mittwoch, 27. Februar 2019

Vom Verlaufen und Merkzettel schreiben

Bevor ich heute mit den Schreiben loslege, lese ich nochmal was ich letzte Woche  aufgeschrieben habe. Und wie so oft, wenn ich meine eigenen Texte lese, denke ich: Stimmt! So wollte ich das ja machen! Der Anfang war auch ganz gut, aber am Ende der Woche war ich so genervt, dass das kleine Glück sich aus dem Staub gemacht hat. Ach ja, leider hinkt die Realität meinen eigenen Worte oft ziemlich hinterher.
Es ist ein bisschen so wie im letzten Urlaub, als ich an einem Tag alleine unseren Hausberg besteigen wollte, den wir von unserem Balkon aus gut sehen konnten. Der Gipfel schien auch ganz nah und leicht zu erreichen. Also habe ich mir einen Plan zurecht gelegt, wie ich die Wanderung gestalten will: Gemütlich den kleinen Wiesenweg entlang bis zur Waldgrenze. Mittagessen auf der Almhütte. Die letzte kleine Steigung hoch. Den Blick vom dem Gipfel genießen. Danach entspannt wieder ins Tal zurück. Soweit der Plan. Die Realität sah leider anders aus (hab ich schon erwähnt, dass mein Orientierungssinn nicht besonders ausgeprägt ist?)  Zuerst irrte ich ewig durch das Dorf bis ich endlich den kleinen Wiesenweg gefunden hatte. Dann fand ich mich zwischen einer bedrohlich wirkenden Kuhherde wieder, die mich dazu brachte die Richtung vor dem Wald ein wenig zu korrigieren. Dadurch war die Almhütte nicht mehr zu finden. Die "kleine steile Strecke" bis zum Gipfel zog sich unglaublich in die Länge so dass ich mehrmals kurz davor war einfach umzudrehen. Als ich dann endlich oben war konnte ich den Ausblick nicht lange genießen, weil der Durst mich wieder hinunter ins Tal trieb (ich hatte doch tatsächlich meine Wasserflasche vergessen!).  Am Ende kam ich völlig fertig wieder in unserer Ferienwohnung an.
Leider sind solche Ausflüge keine Ausnahme bei mir. Ich lande oft nicht da, wo ich eigentlich hin wollte. Und wenn doch, dann erst über einige Umwege. Und genau so geht es mir auch mit dem Schreiben: Während ich schreibe, scheint die Strecke ganz klar vor mir zu liegen. Aber dann  verlaufe ich mich in meinem Alltag und ich finde mich oft genug entmutigt und schimpfend, mit ausgetrockneter Kehle ganz weit weg vom geplanten Weg wieder.
Was mal wieder zeigt: Ich schreibe zuallererst für mich selbst!  Ich schreibe um mir die grobe Richtung vor Augen zu halten, in die ich gehen will. Auch wenn ich mich dabei ständig verlaufe. Und ich glaube, dass es genau die Themen sind, mit denen wir so oft kämpfen und bei denen wir ständig aus der Spur kommen und trotzdem nicht aufgeben, mit denen wir einander Mut machen können. Weil wir die Gegend kennen! Weil wir schon in fast jeder Ecke waren in die man sich nur verlaufen kann und deshalb auch wissen, dass man von jeder Richtung aus wieder auf den richtigen Weg zurückfinden kann.  
Also schreibe ich weiter. Ich schreibe darüber wie unglaublich geliebt wir sind, während es mir in meinem Alltag oft so schwer fällt genau das zu glauben. Ich schreibe über das kleine Glück, während ich verzweifelt unter dem dicken Stapel der 100 Dinge die mich gerade Nerven! danach suche. Ich schreibe fast jeden Sommer darüber, dass wir unseren Körper freundlich und liebevoll betrachten dürfen, während mein Blick, den ich mir vor dem Spiegel zuwerfe, oft alles andere als freundlich ist. Ich schreibe wie eine alte Frau die kaum aus dem Zimmer, schon nicht mehr weiß was sie eigentlich wollte. Ich lege Sätze wie kleine Merkzettel aus, um mich an das zu erinnern was ich im Laufe des Tages vergessen werde.  Heute schreibe ich auf den Zettel:
Großzügige Freundlichkeit für mich und alle anderen, wenn wir vom geplanten Weg abkommen. 
Neulich habe ich diesen  wunderbaren Satz gelesen - ein Gebet wie ein Merkzettel den wir Gott hinlegen: Gott, ich werde dich im Lauf des Tages vergessen. Bitte vergiss du mich nicht!  Es ist  die frohe Erinnerung daran, dass es am Ende doch genau das ist, was uns begleitet und was uns hilft anzukommen, über alle Umwege:
ER denkt an uns. 
ER vergisst uns nicht!!! 



Mittwoch, 20. Februar 2019

kleines Glück

Die Sonne scheint warm in unser Wohnzimmer. Am liebsten würde ich eine Runde rausgehen und dieses ungewohnte Februargeschenk genießen. Aber neben mir auf der Matraze liegt hustend der kleine Sohn und schaut sich ein Bilderbuch ein. Ich nutze die kleine Pause (nach gemeinsamen Malen und Auto spielen) um ein paar Worte zu schreiben. Ich habe mir auch schon einen kleinen Text zurecht gelegt. Von wegen wie schön es doch ist, wenn man alles stehen und liegen lassen kann um Zeit mit dem kranken Kind zu verbringen. Lieblingsessen kochen, Orangen auspressen, (hat meine Mama immer bei uns gemacht), Bilderbücher anschauen und sich gegenseitig Geschichten erzählen. Tage die bestens dafür geeignet sind, sich auf den Weg zum Kinderherz zu machen. Schwache Zeiten, die im Gepäck das Geschenk der Nähe haben. Ja, es könnte so schön sein. Wäre da nicht auch die andere Seite in mir, die innerlich seufzend an alles denke, was jetzt "wichtiges" liegenbleibt. Und diese Unruhe, die mich drängt viel zu oft aufs Handy zu schauen und die mich gestern dreimal zum Briefkasten geschickt hat (am Ende wurde ich mit einem kümmerlichen Kontoauszug abgespeist). Es ist die irrige Annahme, dass vielleicht eine lebensverändernde und wunderbar glücklichmachende Nachricht von außen zu mir kommt. Keine Ahnung was für eine Nachricht das sein könnte!? Vielleicht ein Anruf, dass ich den Nobelpreis gewonnen habe? Nur wegen was genau? Oder eine Einladung zu einem wilden Abenteuer? Lustigerweise poppt eben, während ich das schreibe, eine Nachricht auf dem BIldschirm auf mit dem Titel: "Unglaubliche Abenteuer warten auf dich - nur einen Klick entfernt!" Haha. Genau so.
Und dann schaue ich mich wieder hier um, richte mein Blick auf den inzwischen eingeschlafenen Sohn (wie schön!!!), die verstreuten Stofftiere, die volle Teetasse und das stehengelassene Obst. Und ich ahne es: Hier ist das Geschenk! Jetzt und hier. Kein Klick weit weg. Keine Nachricht auf die ich noch warten muß. Mir fällt dieser Spruch ein, den mir eine Lehrerin in mein Poesiealbum geschrieben hat:
Viele Menschen versäumen das kleine Glück, während sie auf das große vergeblich warten.                                         Pearl S. Buck
Ich fand das irgendwie blöd. So nüchtern. Und es hat sich gar nicht gereimt. Aber umso älter ich werde, umso mehr merke ich: Es ist so wahr! Wenn wir nicht aufpassen, dann  hetzt uns die Unruhe durchs Leben und wir verpassen so viele kleine Glücksmomente (und Klicks hat so ganz wenig mit Glück zu tun :-)).  
Also werde ich jetzt die Ungeduld ins Nebenzimmer schicken, bis sie sich wieder benehmen kann und als stille Neugierde zurückkommt. Bis dahin versuche ich das Glück zu fassen, wo auch immer es sich heute versteckt hat. ✰Im Geruch der warmen Erde, der von draußen kommt. ✰Im Geschmack des aufgewärmten Gemüseauflaufs ✩Im Sonnnenstrahl der die kleinen Luftpartikel wie Sternenstaub tanzen lässt ✰Im Worte auffädeln ✰Im  Lächeln der Nachbarin✰ Im Autoqartett spielen (irgendwo da drin, muß doch auch Glück versteckt sein! Nur wo???)✰ Im Kaffee mit aufgeschäumter Milch ✰Im gemächlichen Ticken der Uhr.(was für ein Luxus: Zeit haben. Sich Zeit gönnen um gesund zu werden!) ✰Im Klang des Geigenspiels aus dem Nachbarhaus ✰Im Zeit verstreichen lassen bei "nutzlosen" Dingen, aus denen warme Erinnerungen werden.

Willkommen kleines, großes Glück! ✰ Fast hätte ich dich übersehen. Wie schön, dass Du da bist.





Und DANKE (!!!!)  an alle die mit einem Klick Blumen nach Burundi geschickt haben! ✨ (Hier hängt klick und Glück doch zusammen :-)).
Der letzte Stand am Montag war: 325 Rucksäcke und Schuhe


Montag, 11. Februar 2019

*Blumen* für Burundi!

(Blogpost enthält externe links und NICHT beauftragte Werbung.)

Diese Woche ist Valentinstag. An dem Tag werde ich, wie die Jahre zuvor, keinen Strauß bekommen. Das ist so, wenn man einen Mann heiratet, der konsum-geputschte amerikanische Feiertage nicht leiden kann. Auch wenn der heilige Valentin kein Amerikaner war - in den Staaten versteht man es eben die romantische Liebe zu feiern :-).Für mich ist der Boykott des Mannes völlig in Ordnung.  Andererseits finde ich es auch toll einen Tag im Jahr zu haben, an dem man daran erinnernt wird, wie schön es ist, jemand eine Freude machen kann. 
Nun habe ich im shelovesmagazine (eine Plattform für Frauen aus aller Welt, die Jesus lieb haben) eine wunderbare Valentins-Idee gefunden. Zugegeben sind es keine echten Blumen, die man verschicken kann, aber es kostet ungefähr so viel wie ein Blumenstrauß und ist mindestens so farbenfroh. Schaut mal, ist das nicht schön?!:

 

Für 15 Dollar (also 13,68 Euro) bekommt ein Schulkind in Burundi eine dieser wunderbar handgefertigeten Taschen und die tollen Schuhe dazu! 
Die Autorin und Theologin Kelley Nikondeha lebt ihrem Mann Claude in Burundi. Ich habe schon einige ihrer bewegenden Geschichten von dort gelesen. Unter anderem haben sie eine Schule gegründet. Am Anfang waren es nur 15 Schüler, inzwischen kommen über 600 Schulkinder regelmässig zum Unterricht.

hier sehr ihr Claude in dem Schulzentrum Kwizera Academy
Viele Kinder kommen barfuss, den oft weiten Weg, zur die Schule. Dabei kommt  es häufig zu Verletzungen und Parasitenbefall. Claude, der selbst auch aus Burundi kommt, hat mit lokalen Künstlern die Idee entwickelt Schuhe und passend Taschen für die Schüle zu entwerfen. Sie werden von Handwerkern vor Ort hergestellt. Könnt ihr euch vorstellen wie stolz die Kinder diese Sachen tragen werden? Auf diesem kleinen Film könnt ihr es euch auch anschauen: 

(Hier könnt ihr aucheinen ausführlicheren Text dazu auf englisch lesen)

Normalerweise mache ich solche Aufrufe über meinen Blog nicht. Weil ich alles immer so überfrachtet finde mit Aufforderungen etwas anzuklicken, zu geben, zu unterstützen, wo mitzumachen... Aber dieses Mal konnte ich einfach nicht widerstehen. Ich finde die Sache so wunderbar, dass ich euch die Gelegenheit geben wollte dabei zu sein, falls ihr das wollt. Wäre es nicht klasse, wenn am Valentinstag alle 600 Kinder ihren "Blumenstrauß" überreicht bekämen?
Es geht ganz einfach, wenn ihr Paypal habt (oder eine Kreditkarte):  Auf die Seite von shelovesmagazine.com, das Foto rechts (von Tasche und Schuhe) anklicken, dann werdet ihr weitergeleitet.

Ein bisschen Liebe nach Burundi schicken.
Eine Umarmung. 
Ein: Wir gehören zusammen! 
Happy Valentines Day!!!
💖💖💖  

(und es macht so viel mehr Freude so einen "Strauß" zu verschicken, als auf eigene Blumen zu warten, finde ich :-)).

Dienstag, 5. Februar 2019

Jesus ist nicht in der Steckdose.

Heute morgen ruft Samuel: "Mama, ich glaub ich hab grade Jesus im Garten gesehen!" Wow. Wie cool! Ich schaue raus, sehe aber nur kahle Äste und schlammigen Boden. Kurze Zeit später öffne ich die Balkontür, um frische Luft ins Wohnzimmer zu lassen. "Lässt du jetzt Jesus rein?", fragt ein neugieriges Stimmchen hinter mir. "Klar, komm rein Jesus, herzlich willkommen!" Wir machen das "Spiel" ein bisschen weiter. Samu fragt mich was Jesus antwortet und in welchem Zimmer er jetzt ist. Ich versuche dem Kind die Allgegenwart Gottes zu erklären. Morgens um Sieben! (was mein Gehirn in ähnlichen Stress wie am Ende vom Campingurlaub wenn man ein Riesenzelt in die dafür vorgesehene Tasche packen soll, die plötzlich auf eine lächerliche Größe zusammengeschrumpft ist und es VÖLLIG UNMÖGLICH alles darin unterzubringen!). Samu versucht zu helfen: "Ich weiß, Gott ist überall, auch in der kleinen Steckdose hier!" Sein Finger fasst gefährlich tief in die Buchse. "Also, nicht wirklich in der Steckdose!" sage ich schwach, ziehe seinen FInger aus  diesem kleinen gottlosen Ort in der Wohnung. "Aber sonst überall." Hmm. Samu schaut sich interessiert um. Dann sagt er seufzend: "Wie gut, dass Gott nicht fest ist, sonst könnten wir hier gar nicht laufen." Ähh. Ja. Wir einigen uns darauf, dass Jesus jetzt mit ihm in die Schule geht (und dort auch schon auf ihn wartet) und das Kind zieht ausnahmsweise ganz zuversichtlich davon. Ich nehme erstmal eine Kopfwehtablette. Und dann denke ich noch ein bisschen über die Dinge nach, die viel zu groß für mich sind. Das tue ich gerade ziemlich oft (kein Wunder hab ich Kopfschmerzen!)
Vor genau einem Jahr wurde meine Mutter schwer krank und ein paar Wochen später starb sie, in meinen Armen. Das hat mich sehr erschüttert. Die kindliche Zuversicht die ich bis dahin hatte, dass das Beste noch vor uns liegt und dass SEINE Auferstehung unsere Auferstehung nach sich zieht, schien sich plötzlich erdrutschartig zu verabschieden. Ehrlich gesagt bin ich immer noch dabei festen Halt zu suchen. Ich lese viele Bücher über den Tod und was danach kommt. Ich lese was Jesus dazu gesagt hat. Satz für Satz. Ganz langsam. Ich kämpfe darum, dass die Hoffnung der Herrlichkeit mich wieder erfüllt. So wie vorher. Oder ganz neu. Wie gelassen könnte man leben. Wie wenig würde man die Welt überfordern. Was für eine Vorfreude wäre das... 
Wenn ich Samuel anschaue, dann staune ich wie sicher er in seinem Glauben ist. Oma ist im Himmel bei Jesus. Super. Dann ist alles gut. Jesus ist im Garten. Nicht in der Steckdose. Aber in der Schule. Cool. Und Tschüß. Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder. Der Zusammenhang zwischen Verstehen und Vertrauen scheint viel geringer zu sein, als wir Erwachsene das so denken. Ich lese in einem meiner "Trostbücher" von Adrian Plass :
Manche Dinge lassen sich viel müheloser Glauben wenn man noch klein ist. Habe ich immer noch dieses feste Vertrauen, auf dieselbe naiv optimistische Art? Nein. Ja. Manchmal. Absolut, ohne jede Frage. Nicht im mindesten. Nur Donnerstags. Ich arbeite daran, Kind zu sein, wie Jesus es möchte, und er hilft mir dabei.
Ach, ich liebe es einfach wie mich manche Sätze zum Lächeln und aufatmen bringen. Wie eine beruhigende Umarmung von Jesus. Wir kriegen das schon zusammen hin( und bis Donnerstag sind ja auch noch zwei Tage :-)).
Eigentlich wollte ich hier noch so vieles schreiben. Davon, dass wir gerade auf Wohnungssuchen sind und ich mich ständig bei Immowelt verlaufe und denke mein Glück hängt von einem neuen Zuhause ab. Wie ich immer wieder mein Herz beruhigen muss, HIER und JETZT zu sein. Tulpen pflanzen, und dankbar sein für das was HEUTE ist. Und ich wollte euch erzählen, dass ich seit einigen Wochen wieder an einem neuen Buchprojekt arbeite und mich total darüber freue und gleichzeitig überlegen wie ich das ganze Schreiben an den kurzen Vormittagen unterbringen soll (Stichwort: Zelttasche). Und das kreative Projekt, das ich euch vorstellen wollte. Und. Und. Und. Es geht mir wie beim Kaffetrinken mit der Freundin wo man noch so viel reden wollte, aber man muss leider los. Ihr müsst los. Ich muss los. Aber eigentlich ist das Allerwichtigste schon gesagt, was mich gerade (und vielleicht auch noch die restliche Jahre, die vor mir liegen) beschäftigt: 
Ich arbeite daran, Kind zu sein, wie Jesus es möchte, und er hilft mir dabei.