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Mittwoch, 24. Februar 2016

Leuchte!

"Ich bin froh, dass es vorbei ist und jetzt als wunderschöne Erinnerung hinter mir liegt. Es war ein Abend der mein Leben total bereichert." So lautet meine Antwort auf die Frage, wie die Book-Release-Party am Samstag für mich war. 
Ach, es war einfach toll! Freunde, ehemalige Kollegen und Weggefährten sind gekommen um den Abend mit mir zu feiern. Sally und Steffen haben wunderschöne Musik gemacht und ich konnte entspannt dazwischen aus meinem Buch lesen (und es wurde genau an den richtigen Stellen gelacht und nachdenklich geschwiegen - ein perfektes Publikum!). Das Essen hat gereicht und das Bier ist auch nicht ausgegangen. Es war genug.

Danke Kerstin für diese tolle Erinnerug: Es ist genug. So wie wir sind. Was wir geben können.

Danke nochmal an alle die gekommen sind um mit mir zu feiern!
(und danke Veronika, für die Bilder!)

mein Lieblingsneffe war da (der eigentlich nicht kommen wollte weil er dachte die Lesung wäre um 7 Uhr MORGENS! :-)

Yeah, how HE loves us!

Hier ist mein Leben. So wie es ist...
und ganz überraschend kam meine Mama dazu -dank der Schweizer Freunde!
Die Blumen sind noch über die ganze Wohnung verteilt und verbreiten immer noch Festtagsstimmung. 
Es ist immer noch ein bisschen merkwürdig mein Leben so zur Schau zu stellen. Oder jemand (etwas verschämt) eine Leseprobe von meinem Buch in die Hand zu drücken. Da ist immer so eine kleine Stimme in meinem Hinterkopf die mir sagt: "Was denkst du eigentlich wer du bist? Stell dich nicht so in`s Rampenlicht. Sagt Jesus nicht auch dass du dich besser bescheiden zurückhalten sollst?" Diese Bibelstelle habe ich nicht gefunden. Stattdessen lese ich heute morgen etwas ganz anderes: 
 
"Ihr seid hier, um Licht zu sein, um die Farben Gottes in dieser Welt hervorzubringen. Was Gott in eurem Leben getan hat, sollte von allen Menschen so erkannt werden können, wie man schon von ferne eine Stadt wahrnimmt, die auf einem Hügel liegt.  Eine Lampe stellt man mit Sicherheit nicht unter einen Eimer, sondern an einen Platz, von dem alle am meisten haben. Mit euch ist es nicht anders: Habt kein Problem damit, andere in euer Leben hineinschauen zu lassen. Nur so können sie an eurem Verhalten etwas von Gott entdecken, das sie begeistert.
(Matth.5,14-16, Übersetzung: Wilkommen Daheim)

Das hört sich ganz anders an als die Stimme in meinem Hinterkopf. Jesus macht uns Mut unser Leben mutig zu zeigen. So wie es ist. Er verheisst uns sogar, dass die Menschen etwas begeisterndes von ihm darin finden: In der Liebe und Hingabe mit der wir  versuchen Jahr für Jahr Jesus hinterherzustolpern. Wenn wir (wie es Eugene Peterson ausdrückt) den langen Gehorsam in eine Richtung leben. Wenn wir mutig die Schönheit die wir schaffen  miteinander teilen. Und wenn wir auch unsere Bruchstellen und Schwachheiten nicht voreinander verstecken. Wie es Leonard Cohen so gut in einem Liedtext ausdrückt:
 
 There`s a crack in everything,
that`s how the light gets in.


Ich glaube das ist gerade meine Wegstrecke die mir Mut abverlangt: Mein Leben, so wie es ist, wie eine Lampe hochhalten. Mich zeigen. Leuchten. In allen meinen Farben. Die Bruchstellen nicht zukleistern. Und dabei ganz verwegen darauf vertrauen, dass etwas durchscheint von einem Gott, der zum niederknien schön ist.
  
Leuchte. Da wo dich das Leben gerade hinstellt. In einer dunklen Welt. Zeig dich. Sei mutig. Leuchte. 

Donnerstag, 18. Februar 2016

zwischen Blümchen und Hundekacke

In diesen Tagen ist mein Grundzustand "ziemlich aufgeregt"! Nie hätte ich gedacht, dass eine Buchveröffentlichung so viel Wirbel in meiner Seele erzeugt. Tagsüber packe ich die Bücherpakete und bereite die erste Lesung für`s Wochenende vor.
Abends liege ich dann im Bett und muß mich zwingen NICHT an mein Buch zu denken und die ganze Aufregung die damit verbunden ist. Aber es hat den gleiche Effekt als würde man zu mir sagen: Denk jetzt bloß nicht an einen rosa Elefanten! Letzte Nacht habe ich von einem Krokodil geträumt, das sich in meinem Hals festgebissen hat. Heio hat interessiert zugeschaut während ein Freund die Notlage erkannt hat und das Tier mit Pfeil und Bogen erledigt hat. Dann bin ICH bin erledigt aufgewacht.

unser Wohnzimmer sieht zeitweise wie das Postbüro aus:-). Dank euch!!!

und ich bastle noch ein bisschen für Samstag
und "Feuerwehrmann Sam" will beschäftigt werden 

Gestern mittag ging ich dann spazieren. Es hilft mir manchmal den Kopf freizubekommen. Laufen und beten. Ich sagte Jesus wie aufgeregt ich bin. Wie sehr ich mir wünsche, dass das Buch ein Segen wird und dass am Samstag alle Leute einen wunderbaren, unvergesslichen Abend haben. Mein Blick fiel auf ein paar Blumen am Wegrand. Ist es ein Zeichen? Zeit des Aufblühens? Der Erweckung? Beseelt fing ich an die Blumen zu pflücken. EIn schmatzendes Geräusch unter meinen Schuhsohlen brachte mich in die Wirklichkeit zurück. OH NEIN. Ein Hundehaufen. Von einem GROßEN Hund. In den tritt man nicht einfach- man schlittert hindurch. Vergebends versuchte ich die Schuhe irgendwie sauber zu bekommen. Ich lief mit meinem kleinen Blumenstrauß und dem Geruch von Hundekacke wieder nach Hause. 
Und plötzlich mußte ich lachen und ich dachte: Genau so ist es! Das Leben findet doch immer zwischen Blumen und Hundekacke statt. Und vielleicht brauche ich genau diese Erinnerung: Christina, wo immer du irgendwo auftauchst, mit Blumen in den Händen, wird es auch immer bisschen nach Hundekacke riechen (also natürlich nur bildlich gesprochen!). Es gibt auf dieser Erde eben leider keine Blumenwiese ohne Hundekacke. Und wann immer ich so einen Ort schaffen will, für mich, meine Familie, meine Freunde, meine Leser... werde ich mich vergeblich mühen und meine Seele wird in den Streßmodus fallen. Es ist beides da: gute Worte, Blühen und Strahlen und im nächsten Moment motze ich Heio an oder ich bin ungeduldig mit Samu . oder. oder. Hundekacke aber auch.
Und dann war da noch ein Gedanke: Entscheidend ist nicht was an deiner Schuhsohle klebt, sondern welcher Fuß drinsteckt. 
Also will ich nicht frustriert die Blumen wegschmeißen und ich will mich nicht auf den Geruch konzentrieren und auch keine cooleren Schuhe kaufen (daran habe ich heute tatsächlich auch schon gedacht !). Ich will darauf vertrauen, dass Jesus in dem Ganzen steckt. Und darauf kommt es letztlich an. Auf IHN. Dass er etwas aus den Dingen macht, die wir ihm hinhalten. So perfekt und unperfekt sie auf dieser Erde eben sind Er ist sich nicht zu schade in unsere Schuhe zu schlüpfen um sich auf den Weg zu seinen Kindern zu machen um sie zu segnen. Seine Sehnsucht ist groß genug. Da wird ihn ein bisschen Hundekacke nicht abhalten.
Und dieser Gedanke entspannt mich dann doch ein wenig :-).



Dienstag, 16. Februar 2016

Der Weg, der uns mutig macht





Diese Woche gibt es hier etwas besonderes:  einen "Guestpost" von Jolene, Amerikanerin, wunderbare Mama von drei Kindern, die unseren Bookclub mit ihrem Humor, ihrer Ehrlichkeit und den spannenden Geschichten aus ihrem Familienalltag bereichert (und einfach weil sie so ist wie sie ist!). Letzte Woche hat sie uns eine berührende Geschichte von ihrem Sohn erzählt und ich habe sie gebeten sie hier für uns aufzuschreiben. Und sie hat sich tatsächlich die Zeit dafür genommen. Danke, Jolene!!!
 
 
 Ich wartete ich auf meinem 8-jährigen Sohn. Nach einem Vorfall einer Mitschülerin auf dem Schulweg, hat er in den letzten Monaten zunehmend eine Angst entwickelt entführt zu werden. Er weigert sich alleine oder in Begleitung eines anderen Kindes durch unser kleines Dorf nach Hause zu laufen. Wir versuchen auf unterschiedlicher Weise, ihn zu stärken und seinen Mut aufzubauen (z.B. ein Buch aus der Bücherei "Mut tut gut" und ein auswendig gelernter Bibelvers ). Bis jetzt leider ohne spürbaren Erfolg.
Nun hatte ich mit mein Sohn vereinbart, dass wir uns vor dem Kelterhaus treffen sobald seine Fußball-AG oben in der Sporthalle aus war. Er machte sich sorgen, dass ich nicht da sein würde. Ich versicherte ihm, dass ich aber hundert pro da sein würde. Er musste nur die kurze Strecke bergab zu mir laufen. 
Also war ich rechtzeitig da. Und ich wartete. Ich wusste, dass seine AG zu Ende war und, wenn ich zur Halle laufen würde, würde er da sein, lachend, und wir könnten gemütlich zusammen nach Hause laufen. Aber ich tat es nicht. Ich wusste, dass er sich nichts sehnlicher wünschte. Was ich aber auch wusste, war, dass er seinen Mut aufbauen muss. Er würde ein paar Schritte alleine gehen müssen—im Vertrauen, dass ich da sein werde und auf ihn warte—und dann würde er mich auch schon sehen können. Schließlich hatten wir ja diesen Treffpunkt fest vereinbart. Darum blieb ich sitzen und wartete. Er tauchte nicht auf.
Ich überlegte mir, was er womöglich dort oben machen würde: Vielleicht hatte er erstmal das Heimlaufen aufgeschoben und beobachtete die größeren Kinder, die jetzt ihre Sport -AG hatten. Er würde aber schon irgendwann kommen. Vielleicht in großer Panik. Vielleicht um sein Leben rennend. Aber er würde kommen. Und dann würde er mich sehen und begreifen, dass ich die ganze Zeit auf ihn gewartet hatte. Ich wusste: er muss wachsen. Er musste selber den ersten Schritt machen.
Beim Warten werde ich aber ziemlich schnell stinksauer. Ich war wütend, dass er mir nicht vertraute, trotz meines Versprechens da zu sein. Und ich bin ungeduldig. Ich hasse es, irgendwo einfach nur dazusitzen und nichts zu tun. Und obendrauf hatte ich den ganzen langen Tag keine Minute für mich gehabt und ich fühlte mich beraubt. Hier saß ich also nochmal an diesem Tag und erlaubte, dass mir jemand meine Zeit wegnahm. Nach 20 Minuten Wartezeit entschied ich mich, mit Gott darüber zu reden. Auch wenn ich, dank meiner Wut, kein Bock darauf hatte. Als ich dann beten wollte, kam aus meinem Mund ein Lied: „Oh….oh….Du wartest auf mich.“ Die Wörter und die Musik flossen heraus. Im Endeffekt sang ich mir selbst eine Andacht darüber, dass wir alle Angst haben, uns im Glauben und Vertrauen auf den Weg zu machen, obwohl wir schon wissen, dass Gott versprochen hat: er wird da sein. Und er wartet auf uns. TOTAL. LANGE. Oft jahrelang. Er könnte kommen und uns abholen, aber er weiß, dass wir unsere Ängste überwinden und im Glauben laufen müssen. Vielleicht nicht sehr weit, aber ein bisschen vertrauen, um ein bisschen weiter zu wachsen. Sonst werden wir nie stärker. Mutiger.
Der Unterschied zu mir? Er wartet auf uns mit vollkommenen Frieden.
Und was geschah mit meinem Sohn? Kam er irgendwann von alleine? Na ja, mit Hilfe schon. Der ältere Bruder vom Freund meines Sohnes lief an mir vorbei. Ich bat ihn meinem Sohn auszurichten, dass seine Mutter auf ihn wartete. Bald darauf hörte ich eilige Schritte und mein Sohn lief mir entgegen. Er lief nicht aus Angst, sondern aus Freude, weil er begriffen hatte, dass ich da war. Er hatte gehört: Deine Mama wartet da unten auf dich!
Auch das brauchen wir manchmal—dass ein Bruder (oder eine Schwester) uns sagt, dass er schon mal auf dieser Strecke war und dort den Vater gesehen hat. Wir brauchen jemanden, der uns vergewissern kann: Gott wird da sein.Er wartet nur auf dich. Am Ende waren wir Beide stolz und froh, dass er diese Strecke geschafft hat. Mein mutiger kleiner Sohn.
  
(Wichtiges Update: Diese Woche hat er es geschafft, selber an mein Versprechen zu denken. Er vertraute mir und kam schon von alleine zum Treffpunkt! Der Mut wächst….)

Ich glaube manchmal gibt es diese Zeiten in unserem Leben in denen Gott unseren Mut aufbauen will. Wo wir ein bisschen mehr Vertrauen brauchen als bisher. Wo das Leben uns herausfordert weiter zu wachsen. Was ist dein Weg für den du heute Mut brauchst? 

Was immer um die nächste Ecke liegt: Gott wird da sein. Er wird uns umarmen und anstrahlen uns zuflüstern: ich wusste, du schaffst das! Ich hab auf dich gewartet. Mein mutiges Kind.


 

Dienstag, 9. Februar 2016

Über Freude, mitfreuen und die Tafel, an der wir satt werden.

Am Montagmorgen bin ich müde in unsere Wohnung gestolpert (nachdem ich Samu in die Kita gebracht habe) und Heio hat mich mit einer Überraschung empfangen. MEIN BUCH ist angekommen!!! 


Da ist das Ding!


Und Heio füllt die Sektgläser und freut sich einfach mit. Dafür liebe ich ihn. Es erinnert mich an Worte von Margot Kässmann:

" Manche Menschen können das: andere über sich hinauswachsen lassen. Eltern, Trainer, Freundinnen die stolz in der zweiten Reihe stehen hinter dem der glänzt. Wenn wir uns mitfreuen an den Erfolgen anderer, ist das ein Zeichen von eigener Balance und Verwurzelung. Und es ist eine Haltung der inneren Freiheit."

Heio hat diese innere Freiheit. Er kann das. Und ich habe Freunde, die das auch können. Die sich einfach mit mir mitfreuen, an diesem kleinen Buch, das im letzten Jahr entstanden ist.  Ein Jahr in dem ich vor allem müde war und erschöpft. In dem ich einiges loslassen musste, einfach weil ich es nicht mehr halten konnte. Und in diesem leeren Raum ist etwas gewachsen. Worte, Geschichten, von denen ich so sehr hoffe, dass sie ermutigend sind und ein bisschen dazu beitragen, dass die Freude über Gottes Gnade und die Dankbarkeit zu Gottes Ehre zunimmt. Auch wenn sich das vielleicht ein bisschen fromm anhört - das wäre mein größter Wunsch. Das wäre "Erfolg" für mich. 
Und dann habe ich heute mein Buch mal in meinem Bücherregal "probegestellt". (bisschen peinlich, ich weiß). Natürlich zwischen meinen Lieblingsbüchern. Neben Brennan Manning und Henri Noeven. Mein kleines Buch dazwischen! Whow. Meine Gedanken, mein Leben mit Jesus. Deine Geschichte könnte auch hier stehen. Am Ende kann jedes Leben eine wunderbare Geschichte über Gottes Gnade werden (sogar eine eher gewöhnliche Geschichte wie meine eigene).
 

Wenn ihr in Deutschland wohnt und das Buch haben wollt und mich ein bisschen damit unterstützen wollt,  könnt ihr mir  gerne eure Adresse mailen (unter chris.f@freenet.de) und ab nächste Woche macht es sich auf den Weg zu euch. Mit persönlicher Widmung. (für 10,99 inkl. 1 Euro Porto). Oder ihr könnt es direkt beim Verlag bestellen, bei eurem lokalen Buchhändler kaufen, ansonsten halt bei Amazon;-). Und wenn euch das Buch gefällt und ihr gerne mal eine Lesung bei euch machen würdet (evtl. auch mit musikalischer Unterstützung) - egal ob beim Frauenfrühstück, im Wohnzimmer oder bei einem gemütlichen Gemeindeabend - meldet euch einfach.

So. Das war der glückliche Anfang meiner Woche. Gestern Abend saß ich dann wieder mit bedrückter Stimmmung neben Heio. Meine alten Zweifel waren da, ob das was ich tue und schreibe wohl gut genug ist. Die Unzufriedenheit pflanzte sich wie ein fetter Gast, neben mich auf den Sofa und knabberte an meiner Freude. Nachdenklich ging ich in`s Bett.
Heute morgen höre ich eins der Lieder, das ich immer mal wieder anhören muß. Weil die Worte so wahr sind: "This world is not enough for me! Take the world, but give me you. Jesus.  We need you!"
Und ich weiß wieder wer meinen Hunger stillt. Nicht das Buch im Buchregal (über das ich mich weiter richtig freuen werde! Andere "Sofagäste" werden einfach runtergeschmissen:-)). Nicht Erfolge, gute Rezessionen und freundliche Kommentare. Das alles wird nie, niemals genug für meine hungrige Seele sein. Die ganze Welt ist mir nicht genug. Ich brauche etwas anderes:
Am Sonntag hatten wir einen total schönen Gottesdienst bei den Jesusfreaks. Heio hat richtig gut gepredigt (und ich saß auf meinem Stuhl und hab mich mitgefreut:-)), Wir haben das Abendmahl gefeiert und danach haben alle Tische im Raum zu einer großen Tafel zusammengeschoben. Jeder hat etwas zum Essen ausgepackt und der Tisch war übervoll mit leckeren Sachen. Wir haben zusammen gegessen, getrunken, geredet, uns über den großen Tisch zugelächelt, manche haben noch die Arme umeinander gelegt und füreinander gebetet. Ich saß die meisten Zeit einfach nur da und hab den Anblick genossen. Und ich dachte mir: genau das ist es (das habe ich auch in mein Buch geschrieben): Das brauchen wir, das brauche ich, jeden Tag. Mich an seinen Tisch setzen und sein Lächeln über der gedeckten Tafel auffangen. Mich umarmen lassen. Und Gnade trinken. 

Die Welt ist nicht genug. Give me you, Jesus. We need you.


Ach, noch eine Sache noch für meine treuen Blogleser: In 5 Kapitel, von den 32 die im Buch sind, habe ich inhaltlich etwas von meinen Blogberichten übernommen. Natürlich nochmal neu bearbeitet. Aber ich finde ihr solltet das wissen. Hoffe die restlichen 27 Kapitel machen das wieder gut:-) 

Mittwoch, 3. Februar 2016

unerwartete Tränen

  Am Sonntag hat es mich wieder erwischt. Ich saß weinend in der großen charismatischen Gemeinde, die ihre Gottesdienste ganz in unserer Nähe feiert. Dort schaue ich ab und zu vorbei, wenn die Jesusfreaks ihren Gottesdienst in der Kneipe abhalten (dort gibt es -erstaunlicherweise- keinen Raum für Kinder und es ist dann mit Samu immer ein bisschen anstrengend). Und ich muß sagen: machmal tut es einfach gut mich in der Masse vom großen und lauten Teil der Familie zu verstecken und ein bisschen von ihrem Mut und ihrer Freude an Jesus mitzunehmen.
Außerdem schätze ich den Pastor dort sehr. Nicht weil er so erfolgreich eine große Gemeinde leitet (bei großen Zahlen bin ich eher skeptisch:-)). Auch nicht weil er so außergewöhnlich predigen würde und ich immer mit allem übereinstimme was er sagt. Sondern weil ich ein paar Mal gesehen habe wie er ist, wenn er nicht auf der Bühne steht. Wie freundlich und liebevoll er mit seinen Mitarbeitern umgeht. Wie er darauf bedacht ist, dass keiner übersehen wird. Wie er Pastoren aus anderen Gemeinde dient. Er hat uns Jesusfreaks in der Anfangsphase, in der uns die meisten Christen uns noch kritisch beäugt haben, zum Stuttgarter Pastorentreff eingeladen und uns voller Wärme empfangen. Das vergesse ich ihm nicht. (und einige der Pastoren werden sicher auch nicht den Anblick vergessen, wie ich mit meiner Mitleiterin, mit ihren knallrot gefärbten Haaren und Punkstiefeln, dort aufgetaucht bin)

Jetzt aber zu meinen Tränen: Eigentlich müsste ich es langsam wissen. Es geschieht nicht in der aufgeheizten Stimmung im Lobpreis. Auch nicht bei einer emotionalen Predigt. Sondern dann, wenn der Pastor mit ruhiger Stimme Menschen einlädt zu Jesus zu kommen. 
Man kann von solchen Bekehrungsaufrufen halten was man will. Das komische ist, dass ich eigentlich da auch eher kritisch bin. Und wenn dieser Teil des Gottesdienstes kommt, dann bin ich innerlich leicht genervt. Ich hoffe der "Programmpunkt" geht schnell vorbei. Ich denke: hier sind doch sowieso nur Christen. Das wird vielleicht peinlich. Und ich überlege ob ich schonmal leise verschwinden soll. 
Und jedes Mal trifft es mich völlig unerwartet von hinten. Ich sehe staunend wie Menschen aus allen Ecken der Halle aufstehen und nach vorne kommen. Manche davon Mitarbeiter. Klar. Sie haben auch meistens eine entsprechend große Bibel unterm Arm um nicht verwechselt zu werden. Aber ich sehe auch eine aufgeregte Teenager Tochter, die stolz und mit ungläubigem Staunen, ihren Papa nach vorne führt. Ich sehe eine kleine Familie, die sicher nicht aus Deutschland kommt (das Übersetzungskabel hängt ihnen noch am Ohr). Sie haben sich an den Händen gefasst und gehen mutig nach vorne. Zwei junge Frauen gehen nach vorne. Man kann nicht sagen wer hier wen begleitet, aber ich spüre: hier bringt eine die andere zu Jesus. Neben mir steht mit jugendlicher Entschlossenheit plötzlich ein junger Kerl auf (und man kann ihm ansehen, dass das kein leichter Schritt für ihn ist). Noch einmal brandet in der Halle Jubel auf, während er nach vorne geht um sich segnen zu lassen und, vielleicht das erste Mal in seinem Leben mit Jesus zu reden.
Jedes Mal verliere ich an diesem "Programmpunkt" völlig die Fassung und die Tränen strömen mir unaufhaltsam über`s Gesicht. Dann ärgere ich mich, dass ich wieder vergessen habe Tempos einzupacken und wische mir mit einem alten Briefumschlag aus meiner Tasche die Tränen und den Rotz aus dem Gesicht. Wenn ich mich dann einigermassen gefasst habe und die Leute neben mir wieder anschauen kann, merke ich erstaunt, dass es wahrscheinlich nur mir so geht. Und ich frage mich: was ist das in mir? Warum berührt das mein Herz so stark?

Der Schriftsteller Frederik Buechner hat über diese Tränen geschrieben, die überraschend in uns aufsteigen können- wenn wir ein Bild betrachten, eine Stelle in einem Buch lesen, ein Film anschauen, einen bestimmten Geruch wahrnehmen, das Meer sehen, ein fremdes Gesicht...es kann alles mögliche sein
Wann immer dir Tränen in die Augen steigen, besonders in unerwarteten Momenten, tust du gut daran sehr aufmerksam zu sein. Sie sagen dir nicht nur etwas über dein tiefstes Selbst,  sondern Gott kann dir darüber etwas von dem Geheimnis offenbaren wo du herkommst und er kann dich damit in eine Richtung rufen in die deine Seele gehen sollte, um heil zu werden.
(Whistling in the dark, F. Buechner)

Noch weiß ich nicht genau wem oder was meine Tränen gelten. Es ist als würde sich ein Ort ganz tief in mir öffnen, den ich sonst völlig ignoriere. Als würde ein See von Tränen darauf warten geweint zu werden (klingt bisschen theatralisch, ich weiß;-)... ist aber so). Es könnten einfach Freudentränen sein, aber ich spüre, dass da noch mehr ist. Als würden sie tatsächlich etwas wichtiges über meine Seele offenbaren, über eine tiefe Sehnsucht, über eine Richtung in die ich gehen sollte, über einen Ort der mich vielleicht tiefer heil machen könnte. Noch habe ich keine Ahnung, aber ich will aufmerksam bleiben und hinhören ob Gott mir vielleicht etwas sagen will.

Und wann sind dir zum letzten Mal unerwartet Tränen in die Augen gestiegen?
Wohin ruft dich deine Seele?